Deutschland, über Alles

Hamburg ist tot. Zumindest in der Zeit zwischen 20 und 22 Uhr an einem Mittwoch im Mai. In zwei Stunden Spaziergang durch die Stadt waren kaum Menschen, kaum Autos zu sehen, kaum Lokale in denen etwas los wäre. Ich bin an gefühlten 100 Starbucks’, Balzac’s, World Coffee’s vorbeigegangen, habe zwei Vapianos gesehen (übrigens das einzige Lokal das um 21.30 noch voll war) und unzählige Obdachlose. Überraschend viele, vielleicht fällt mir das in Wien auch nicht so auf. Oder es war wegen dem Kontrast. Hamburg ist in der Tat eine Luxusstadt, alleine der Geschäfte wegen. Aber auch durch die Architektur, alles wirkt sehr modern und nach Design, aber eben tot. Künstlich.

Auf dem Rückweg zum Hotel sagt eine Frau Mitte 40 die ihr Hab und Gut in einer Mülltonne mit Rädern vor sich herschiebt zu mir “Deutschland über Alles. Besonders Ost-Deutschland!”.

processing.js

Als ich bei einem der letzten Barcamps über Processing sprach, war soetwas noch nicht absehbar, aber das macht Processing nochmal einen großen Schritt attraktiver, weil ohne Java in (modernen) Browsern integrierbar. Wow, großartige Leistung von John Resig.

Architekturvisionen aus einer vergangenen Zeit

Palace of the Soviets

Palast der Soviets.

Liebe

T-Mobile und das iPhone

Seitdem ich ein Handy besitze bin ich Kunde von T-Mobile. Ich habe jedesmal meinen Vertrag verlängert, wenige Tarifwechsel gemacht (und länger teurere Tarife behalten), habe nur einmal kurz erwogen zu Telering zu wechseln und im Schnitt jedes Monat in der Regel Gesprächsgebühren von rund 50,- Euro bezahlt (in letzter Zeit eher 100,- Euro aber da muss man wohl die Monate gegenrechnen in denen ich weniger bezahlt habe).

Kurz überschlagen habe ich ca. 6000,- bis 8000,- Euro (10 Jahre x 12 Monate x 50,- Euro) an T-Mobile bezahlt. Weniger als ich eigentlich dachte, aber auch nicht wenig Geld. Ich stehe wieder kurz vor einer Vertragsverlängerung und plane eigentlich bei T-Mobile zu bleiben, auch wenn ich mich gerade frage ob das wirklich gut ist.

Ich habe bisher bessere Erfahrungen mit dem T-Mobile Kundenservice gemacht als Helge, aber nach einem Telefonat heute zweifle ich ein wenig. Hier die Startvorraussetzungen: ich habe ein iPhone, natürlich nicht bei T-Mobile in Österreich gekauft. Meine Vertragsverlängerung steht ab 1.6. an. Ich hätte gerne einen Tarif mit mehr Datenvolumen.

  • Die Dame am Telefon wusste erstmal gar nicht ob der Tarif mit einem iPhone funktionieren würde und war irgendwie beleidigt, dass ich ein iPhone habe aber nicht bei T-Mobile gekauft habe. Es klang so als wäre man wie seinerzeit bei der Telekom sauer auf Kunden die sich einen Router kaufen und mehrere Computer mit einer ADSL Leitung ins Internet schicken.
  • Wie Helge schon herausgefunden hat, gibt es den iPhone Tarif für existierende Kunden leider nicht. Die Mitarbeiterin hat dazu etwas gebraucht aber dann auch herausgefunden.
  • Die Frage auf welchen Tarif ich denn wechseln könnte, um mehr Datenvolumen zu haben, geht erstmal ins Leere. Mir wird ein Paket angeboten dass ich bereits habe, mit 100 MB Datenvolumen. Das iPhone Paket kommt mit 3 GB, ein dezenter Unterschied.
  • Als ich frage welchen Tarif ich statt meinem nehmen könnte (der ein SuperFlat Tarif ist mit hoher Grundgebühr und allem inklusive), ist erstmal Ratlosigkeit angesagt, die Dame muss erstmal nachlesen, ich bin auf der Website schneller und habe mit dem Tarifvergleich früher herausgefunden was wohl passen würde. Die Website ist schonmal besser als der Telefonservice.
  • Ich finde heraus, dass ich tatsächlich selbst einen iPhone-artigen Tarif zusammenbauen kann, allerdings wirklich erst am 1.6.

Was mich nachhaltig verstört: warum freut sich T-Mobile nicht, dass ich schon so lange Kunde bin und offensichtlich immer noch Kunde bleiben will? Es heisst ja immer Kosten für Neukundenwerbung sind wesentlich höher, Abwanderung von Kunden mit hohen Umsätzen sehr schmerzhaft. Ich bin vielleicht kein Topkunde aber ein stabiler Umsatzbringer und das schon seit 10 Jahren.

T-Mobile könnte also ohneweiteres den iPhone Tarif anbieten, würde genau denselben Umsatz machen wie vermutlich jetzt (ich werde eine Kombination wählen die mit dem iPhone Supreme Tarif ident ist) und würde mich zusätzlich glücklich machen, denn mir geht es vor allem um das Datenvolumen und Funktionen wie Visual Voicemail, das offensichtlich nur mit iPhone Tarifen freigeschalten ist. Und anstatt existierende Kunden immer wie Ballast zu behandeln wäre es doch sinnvoll in genau solche Kunden zu investieren.

Ah ja, ich vergass: früher hatte ich zum “Jahresjubiläum” immer eine Mobilbox-Nachricht von Georg Pölzl, dem ehemaligen Geschäftsführer, der mir gratulierte. Vielleicht meldet sich dieses Jahr Robert Chvatal. Schade dass ich nicht zurückrufen kann. Ich würde da gerne mal die Strategie hinterfragen.

Auweh

Schöner Leitartikel zu einem Thema das mir schon länger auf dem Herzen liegt

Nichts könnte das zentrale Problem der seit Jahren mit dem Überleben kämpfenden AUA besser illustrieren als dieser Anspruch auf eine „rotweißrote“ Fluglinie um jeden Preis. Wir haben es hier mit einem Unternehmen zu tun, das längst zum fliegenden Selbstbetrug verkommen ist. Während in den Bilanzen seit Jahren das Blut rinnt, verkündet die AUA-Führung in einer beneidenswerten Art der Autosuggestion ein ums andere Mal, dass die Sanierung endlich geglückt sei. Allein seit Anfang 2005 hat das Unternehmen 316 Millionen Euro vernichtet. Wer sich darunter nicht viel vorstellen kann: Das sind knapp 268.000 Euro pro Tag oder ziemlich genau jene Summe, die das Unternehmen heute an der Börse wert ist. Das ist also nicht gerade nichts. Und schon gar nicht die Visitenkarte einer Fluglinie, die als „saniert“ zu bezeichnen wäre.

Mein Vorschlag: die Lufthansa übernimmt endlich die AUA, dann ist das Drama beendet. Und es gäbe endlich Aussicht auf steigende Qualität.

Ob das etwas bringt

Als Dienstag die Vorschau für Quoten, Klicks & Kohle lief, dachte ich mir “Spannend, endlich thematisiert das Fernsehen sich und seine Entwicklung selbst”. Mittwoch konnte ich dann leider nicht direkt vorm Fernseher sitzen, aber zum Glück gibts den Film (in seltsame 5 Teile zerschnitten) auch Online.

Seltsam ist nicht nur die Zerstückelung in 5 Teile, sondern auch der Inhalt selbst. Tendenziös, manipulativ und wenig informativ beschäftigt sich Thomas Leif (auch ziemlich ego-zentriert) mit dem aktuellen Krieg zwischen öffentlich-rechtlichem deutschen Rundfunk und Zeitungsverlegern. Schade. Wieder einmal eine Gelegenheit verpasst um sachlich und fundiert an das Thema heranzugehen. Auch wenn in diesem Konflikt die Meinung der FAZ als parteiisch gelten kann, muss ich mich Michael Hanfeld anschließen. Die Meinungen im Forum fallen ähnlich aus.

Dan Deacon – Wham City

http://project.ioni.st/post/2107#audio_2107

Ja, die Gründerzeit

Der Ausdruck „Gründerzeit“ bezieht sich auf den ungeheuren wirtschaftlichen Aufschwung der Mitte des 19. Jahrhunderts, wo Unternehmensgründer scheinbar über Nacht reich werden konnten. Sehr wesentlich für diese rasante Wirtschaftsentwicklung war der Eisenbahnbau, der der bedeutendste wirtschaftliche Faktor dieses Zeitraums war. Typische “Gründer” sind daher Eisenbahnpioniere wie Bethel Henry Strousberg. Die Eisenbahn hatte auch eine bedeutende Impulswirkung auf andere Industriezweige, etwa durch die gestiegene Nachfrage nach Kohle und Stahl, so dass auch hier Industrieimperien, wie etwa das von Friedrich Krupp gegründet wurden. Vor allem aber wurden Kommunikation und Migration enorm erleichtert. Massenhaft wanderten ländliche Unterschichten in die Städte ab, wo sie zum Bestandteil des sich formierenden Proletariats wurden – damals entstand auch die soziale Frage (zeitgenössisch auch Pauperismus genannt).

http://de.wikipedia.org/wiki/Gründerzeit

Neue Gründerzeit durch das Internet?

Datteln

Wenn ich an meine Großmutter denke, dann erinnere ich mehr an Gerüche als an Bilder oder Situationen. Ich erinnere mich an eine alte Frau, mit einer abgetragenen Weste und einer einfachen Hose, die die meiste Zeit ihres Lebensabends auf der “Bettbank” verbrachte. Damals als noch keiner “ausziehbares Sofa” und “Tomaten” sagte.

Sie aß gerne Datteln und Olmützer Quargel mit Butterbrot. Es war ihr wichtig die Samen der Paradeiser am 15. März auszustreuen, am 15. April zu pikieren und am 15. Mai (nach den Eismännern) in den Garten zu setzen.

Sie liebte es Staniolpapier mit der Rückseite der Fingernägel glatt zu streichen, ich liebte es wenn sie mit mir (gefühlte) Stunden lang Hoppa-Hoppa Reiter spielte. Wir liebten es die Suppe zu essen wenn meine Mutter in der Küche war und dann zu sagen “Wir haben keine Suppe bekommen” wenn sie wieder zurück kam.

Meine Großmutter roch wie eine Großmutter riecht.

Sie sagte immer “Nur ein Trottel lacht dauernd” und “Wenn man dir gibt dann nimm, wenn man dir nimmt dann schrei”.

Hätte ich meine Großmutter besser gekannt hätte ich vermutlich eine andere Erinnerung an sie. Aber so wirkt sie auf mich wie ein großer, wohliger weicher Bausch der riecht wie eine Großmutter riecht.