26. January 2012
Meine Utopie: eine Stadt ohne Autos
In den letzten Monaten und Jahren verdichtet sich ein Wunsch in mir. Ich bin ein begeisterter Städter, komme aus einer Umlandgemeinde im Speckgürtel, und bin mit der Verwendung des Autos aufgewachsen. Es war und ist unmöglich im Bezirk Mödling, in dem ich aufgewachsen bin, ohne Auto angenehm zu leben. Zu weit sind die Wege, zu fragmentiert die Gemeinden. Den Weg aus der Schule nach Hause haben wir immer zu Fuß bewältigt, 30 Minuten gemütliches Gehen, heute würde mir das große Freude bereiten, damals war es eher lästig.
Der Wunsch der sich nun immer stärker verdichtet: eine Stadt ohne Autos. Wenn ich heute in Wien unterwegs bin, ist es offensichtlich, dass Städte nicht für Autos gemacht sind. Da wäre der Lärm, der mir persönlich das größte Ärgernis ist, die Abgase (obwohl mir die Feinstaubhysterie unverständlich ist) und der Platzverbrauch. Immer deutlicher wird auch die Auswirkung auf die städtischen Räume, es ist nicht zu übersehen, dass Räume entlang wichtiger Verkehrswege zusehends unwohnlicher, unattraktiver werden. Dazu muss ich ein wenig ausholen.
Ganz deutlich wurde es mir persönlich beim Durchblättern eines Buches über die Bezirke, unten zu sehen. Ich will keinesfalls sentimental wirken oder weltfremd, träumerisch oder naiv, aber es ist zu klar sichtbar, dass die Bilder im Vergleich eine andere Qualität ausstrahlen. Die Strassen im alten Wien sind ästhetisch schöner, wirken ruhiger und lokaler, weniger hektisch. Man hat das Gefühl (Achtung: Mutmassung), dass den Menschen die Ästhetik ihrer näheren Umgebung wichtig war, dass dies ein Wert war. Auf der Reinprechtsdorferstrasse, wo ich nun häufiger unterwegs bin, bietet Sitzbänke im öffentlichen Raum die sicher gut gemeint waren. Doch wer will sich auf einer Durchzugsstrasse auf eine Bank setzen und verweilen? Die Geschwindigkeiten sind das Problem, nicht jene der Autos, sondern die unterschiedlichen Geschwindigkeiten zwischen dem Autoverkehr und dem Rest der Stadt.
Es ist erstaunlich, dass diese, meine Utopie in immer mehr Gesprächen Anhänger und Befürworter findet. Dass ich immer mehr Menschen treffe, denen der Verkehr in der Stadt ein Ärgernis und die Zukunft der Stadt ein Anliegen ist. Das beweist eine Diskussion, die gerade an verschiedenen Orten im Web geführt wird. Wie immer ein wenig am Kern vorbei. Da wird über die Glaubwürdigkeit eines Bildes als über den Inhalt geredet. Dabei zeigt das Bild aus Münster doch nur einen Umstand auf, der nicht mehr geleugnet werden kann: Cars kill cities.
Cars do not belong in cities. A standard American sedan can comfortably hold 4+ adults w/ luggage, can travel in excess of 100 miles per hour, and can travel 300+ miles at a time without stopping to refuel. These are all great things if you are traveling long distances between cities. If you are going by yourself to pickup your dry cleaning, then cars are insanely over-engineered for the task. It’s like hammering in a nail with a diesel-powered pile driver.
Wir leben in einer Zeit, die wunderbare Chancen offenbart. Es geht nicht darum Autos abzuschaffen. Es geht darum sie besser zu nutzen. Elektroautos sind eine Chance. Besserer öffentlicher Nahverkehr ebenso. Es wäre endlich Zeit für eine Politik die diese Chancen erkennt und nutzt, anstatt pauschal gegen oder für Autos zu polemisieren. Und ja, dafür wird es systemische Massnahmen brauchen, die die Nutzung von Autos in der Stadt unangenehm und überflüssig machen. Leider.
Ich hoffe meine Utopie wird irgendwann Realität.







