9. September 2013

Schiff ahoi oder warum die Wahl des richtigen Kurses gar keine so hohe Kunst ist

Ich gebe zu, ich ärgere mich gerade. Vermutlich ist das Schreiben eines Blogeintrages mit Ärger im Bauch ähnlich fatal wie spätnächtliches SMSen, aber das muss jetzt raus.

Wahlkämpfe sind Auseinandersetzungen. Mit der Zukunft, mit den Meinungen und Ansichten der Menschen, den Medien und natürlich auch mit den politischen Gegnern. Die Kommunikationsmechanik die sich in dieser Zeit entwickelt, mag seltsam anmuten, ist sie auch, geht es doch darum in möglichst kurzer Zeit zu überzeugen, sich abzugrenzen, zu definieren und vor allem Aufmerksamkeit zu erzeugen, denn es gibt bei weitem mehr Informationen die verteilt werden wollen als Raum dafür zur Verfügung steht.

In diesem Engpass scheint die Auswahl der “Gegner”, also jener anderen Parteien gegen die man sich besonders stark abgrenzen möchte, auch um die eigene Definition klarer zu machen, von zentraler Bedeutung. Am Ende rittern alle Parteien um die gleichen Wählerstimmen, mehr als 100 % gibt es, zumindest wenn alles mit rechten Dingen zugeht, nicht zu verteilen.

Warum ich so langatmig einleite?

Weil ich mich in den letzten Tagen und Wochen wundere, besonders über die Piraten, neben dem ohnedies hinreichend als seltsam entlarvten Satireprojekt das sich Team Stronach nennt, die einzige neue Partei die bundesweit antritt. Das ist grossartig. Aus meiner Sicht (die natürlich mit einer klaren und deutlichen Präferenz für NEOS auf die Lage schaut) ist es wunderbar, dass neue Menschen und Konzepte zur Verfügung stehen, ich finde es ausnahmslos eine Bereicherung, egal ob mir (wie in diesem Fall) die Konzepte grundsätzlich näher stehen oder nicht. Ich leite umfassend ein, weil ich mich durchaus bemühe den Gesamtkontext eines Wahlkampfes zu sehen, bin aber dennoch weiter verwundert.

Weniger grossartig ist die Art und Weise wie Personen aus dem Kreis der Piraten auf NEOS schauen. Und sich über eine Abgrenzung dazu definieren. Christopher Clay schreibt in einem Facebook Posting über Matthias’ Aussage zur Grundstimmung auf der NEOS aufbaut “Das halte ich für Etikettenschwindel.”. Beschwert sich über die offengelegten Spenden von Hans Peter Haselsteiner und unsere Vorwahlen, obwohl Haselsteiner ja explizit nicht als Kandidat ins Rennen steigt und sich auch nur für ein Ministeramt verfügbar macht, ob das passiert ist eine andere Frage. Lavados nennt uns intransparent obwohl wir nachweislich eines der schärfsten Transparenzstatute haben und alle Spenden und Ausgaben bis auf den Cent auf unserer Website veröffentlichen, ein radikaler Schritt für eine politische Partei, leider, denn das sollte selbstverständlich sein wenn man mit Steuergeld (was wir ja gar nicht tun) arbeitet. Schade und für mich verwunderlich. Denn die Abgrenzung zu NEOS macht im herrschenden Spiel der Kräfte wenig Sinn.

David gegen David

Matthias bezeichnet uns zu Recht als “friedliche Armee der Davids im Kampf gegen Goliath”. NEOS ist, trotz beachtlicher Rekorde im Crowdfunding, ein David im Vergleich zu personeller, finanzieller und ressourcentechnischer Ausstattung aller existierenden Parteien. Egal ob Stronach, ÖVP, SPÖ oder BZÖ, die Budgets, die Aparate und Strukturen sind über Jahre etabliert, die Budgets gut auf die Wahl vorbereitet. Dass wir dennoch im Spiel der Aufmerksamkeit ganz gut mitspielen können, weit über unseren Verhältnissen wenn es nach Zahlen und Fakten geht, ist ein Beweis dafür wie viel allen Beteiligten daran liegt dieses aussergewöhnliche Projekt zum Erfolg zu führen.

Um mit einem Vorurteil an dieser Stelle aufzuräumen: von Hans-Peter Haselsteiner kommen glücklicherweise signifikante Spenden, die Masse der Gelder die täglich auf unseren Konten landet, nämlich erstaunliche 60 % stammen aber von Kleinspendern. Über 380 davon. Keiner davon (inkl. Haselsteiner) erhält dafür eine konkrete Gegenleistung, ausser das Versprechen sich ehrlich um eine neue Politik zu bemühen.

Was Christopher und andere also argumentieren ist nicht nur unrichtig, sondern auch noch strategisch sinnlos. Eine Abgrenzung der Piraten gegenüber NEOS geht am eigentlichen (gemeinsamen) Ziel dieser Wahl vorbei: die Mehrheit von Schwarz-Rot zu brechen und Alternativen anzubieten. Die anhaltende Alternativenlosigkeit und das spürbare Desinteresse der Regierung zu echten Veränderungen ist der Gegner, und nicht eine andere neue Partei. Ganz nebenbei: nur wenige Piraten haben bis dato das Angebot genützt bei einer unserer Klausuren mit dabei zu sein und sich selbst ein Bild zu machen. Wann immer wir über die Piraten reden geschieht das mit grosser Wertschätzung und ohne Vorurteile (die zB in Medien oft zu finden sind). Auch hier: schade.

Ideen und Prozesse

Dass die beiden Bewegungen einander nahe sind und gemeinsame Themen und Ziele haben, zeigt sich nicht nur in der Wahlkabine, sondern auch wenn wir zB gemeinsam gegen die Weitergabe von Daten an die NSA demonstrieren. Ein Thema, dass bei allen anderen Parteien von einzelnen Personen scheinbar als Privatvergnügen behandelt wird, aber sich auf keiner Agenda findet. In vielen Parteien gibt es nicht einmal Empörung.

Wenn wir in unserer jungen Geschichte einen Vorwahlprozess auf die Beine stellen, den es in dieser Form, mit diesen Ebenen der Mitbestimmung, noch bei keiner anderen Partei in Österreich (vielleicht sogar in Europa) gegeben hat und damit an uns selbst den Beweis antreten wie Demokratieinnovation funktionieren kann, dann ist das nicht weit von den Ideen zur Prozessoptimierung der Piraten entfernt. Auch eine Idee die uns eint. Was geschieht? Auf Twitter entspinnen sich seit der Zeit unserer Vorwahl immer wieder Diskussionen, die auf die Frage der sicheren und geheimen Durchführung von Online Wahlen abzielen, ein Punkt der sicher nicht gelöst ist, aber letztlich am Kern vorbeigehen.

Technologie ist da um zu ermöglichen, die Frage nach Online Partizipation in politischen Prozessen (bei der Positionsfindung wie bei der Listenerstellung) ist jene die uns beschäftigt und beschäftigen soll. Zu argumentieren, eine Liste sei nicht legitimiert, weil das Wahlverfahren (zu dem sich übrigens noch kein einziger Pirat im Detail erkundigt hat, ich stünde jederzeit gerne für eine Diskussion zur Verfügung) nicht sicher sei ist einfach Quatsch. Wenn NEOS vereinbart hätte die Plätze auf der Bundesliste über eine TV Show zu vergeben (klingt blödsinnig? Stronachs Idee) oder einfach einem allwissenden Vorsitzenden die Entscheidung zu überlassen (wie das BZÖ), dann wäre das genauso legitimiert wie unser Verfahren, weil es immer noch eine Sache der Organisation selbst ist, das zu vereinbaren. So lange niemand bei NEOS ein Problem mit der Listenerstellung hat (und hier gab es genügend Diskussion über Verbesserungspotentiale die teilweise auch öffentlich geführt wurde), ist alles in Ordnung.

Der politische Markt verträgt noch mehr Angebot

Also, bei aller Wertschätzung den Piraten gegenüber, es ist absurd und lächerlich, sich darüber zu streiten, wem die Welle gehört die da gerade im Anrollen ist. Das Spiel der Aufmerksamkeit wird auch bei weitem nicht von NEOS entschieden, sondern von den grossen Budgets anderer Player dominiert. Und das Beste überhaupt: ich glaube der politische Markt verträgt noch mehr Angebot als bloss Piraten und NEOS. Auch wenn man vielleicht der Ansicht ist, dass die Zielgruppen ähnlich sind (was ich nicht glaube), dann müsste es den Piraten wie jedem vernünftigen Startup darum gehen, den grösseren Teil des Marktes anzusprechen und der ist (so klar muss man die Fakten sehen) jener Anteil der aktuell entweder noch ÖVP, SPÖ, Grüne, Team Stronach wählt oder erst gar nicht zur Wahl geht, weil das vorhin genannte Angebot nicht überzeugend ist.

Oder um es in piratisch zu sagen: lieber die dicken, fetten Schiffe der Altparteien entern als den einzig vernünftigen Mitstreiter der in eine ähnliche Richtung segelt.

26. January 2012

Meine Utopie: eine Stadt ohne Autos

In den letzten Monaten und Jahren verdichtet sich ein Wunsch in mir. Ich bin ein begeisterter Städter, komme aus einer Umlandgemeinde im Speckgürtel, und bin mit der Verwendung des Autos aufgewachsen. Es war und ist unmöglich im Bezirk Mödling, in dem ich aufgewachsen bin, ohne Auto angenehm zu leben. Zu weit sind die Wege, zu fragmentiert die Gemeinden. Den Weg aus der Schule nach Hause haben wir immer zu Fuß bewältigt, 30 Minuten gemütliches Gehen, heute würde mir das große Freude bereiten, damals war es eher lästig.

Der Wunsch der sich nun immer stärker verdichtet: eine Stadt ohne Autos. Wenn ich heute in Wien unterwegs bin, ist es offensichtlich, dass Städte nicht für Autos gemacht sind. Da wäre der Lärm, der mir persönlich das größte Ärgernis ist, die Abgase (obwohl mir die Feinstaubhysterie unverständlich ist) und der Platzverbrauch. Immer deutlicher wird auch die Auswirkung auf die städtischen Räume, es ist nicht zu übersehen, dass Räume entlang wichtiger Verkehrswege zusehends unwohnlicher, unattraktiver werden. Dazu muss ich ein wenig ausholen.

Ganz deutlich wurde es mir persönlich beim Durchblättern eines Buches über die Bezirke, unten zu sehen. Ich will keinesfalls sentimental wirken oder weltfremd, träumerisch oder naiv, aber es ist zu klar sichtbar, dass die Bilder im Vergleich eine andere Qualität ausstrahlen. Die Strassen im alten Wien sind ästhetisch schöner, wirken ruhiger und lokaler, weniger hektisch. Man hat das Gefühl (Achtung: Mutmassung), dass den Menschen die Ästhetik ihrer näheren Umgebung wichtig war, dass dies ein Wert war. Auf der Reinprechtsdorferstrasse, wo ich nun häufiger unterwegs bin, bietet Sitzbänke im öffentlichen Raum die sicher gut gemeint waren. Doch wer will sich auf einer Durchzugsstrasse auf eine Bank setzen und verweilen? Die Geschwindigkeiten sind das Problem, nicht jene der Autos, sondern die unterschiedlichen Geschwindigkeiten zwischen dem Autoverkehr und dem Rest der Stadt.

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Es ist erstaunlich, dass diese, meine Utopie in immer mehr Gesprächen Anhänger und Befürworter findet. Dass ich immer mehr Menschen treffe, denen der Verkehr in der Stadt ein Ärgernis und die Zukunft der Stadt ein Anliegen ist. Das beweist eine Diskussion, die gerade an verschiedenen Orten im Web geführt wird. Wie immer ein wenig am Kern vorbei. Da wird über die Glaubwürdigkeit eines Bildes als über den Inhalt geredet. Dabei zeigt das Bild aus Münster doch nur einen Umstand auf, der nicht mehr geleugnet werden kann: Cars kill cities.

Cars do not belong in cities. A standard American sedan can comfortably hold 4+ adults w/ luggage, can travel in excess of 100 miles per hour, and can travel 300+ miles at a time without stopping to refuel. These are all great things if you are traveling long distances between cities. If you are going by yourself to pickup your dry cleaning, then cars are insanely over-engineered for the task. It’s like hammering in a nail with a diesel-powered pile driver.

Wir leben in einer Zeit, die wunderbare Chancen offenbart. Es geht nicht darum Autos abzuschaffen. Es geht darum sie besser zu nutzen. Elektroautos sind eine Chance. Besserer öffentlicher Nahverkehr ebenso. Es wäre endlich Zeit für eine Politik die diese Chancen erkennt und nutzt, anstatt pauschal gegen oder für Autos zu polemisieren. Und ja, dafür wird es systemische Massnahmen brauchen, die die Nutzung von Autos in der Stadt unangenehm und überflüssig machen. Leider.

Ich hoffe meine Utopie wird irgendwann Realität.

11. October 2010

Eine Empfehlung

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal schreibe was ich gleich schreiben werden, aber man kann sich ja auch mal getrost selbst überraschen. Aber, der Reihe nach, zuerst einmal ein paar Gedanken.

Über die Wahl von gestern zu diskutieren ist nicht ganz einfach, die Nachwahlkommentare häufen sich, die Standpunkte wiederholen sich, das Ergebnis ist schon ein Teil der Geschichte geworden. Dennoch, man muss darüber diskutieren, auch wenn schon viel gesagt wurde.

Zuerst einmal: zu sagen, das Ergebnis wäre nicht überraschend, halte ich für eine glatte Lüge. Die Zugewinne der FPÖ waren, ja, vorhersehbar, aber in diesem Ausmaß müssen sie für jede/n überraschend gewesen sein. Ich glaube sogar für HC himself.

Der Hintergrund dieses Ausgangs ist wie immer schwer bestimmbar, nebulös und dennoch interessant, und deshalb wage ich hier eine These: das Problem der Verlierer dieser Wahl ist, dass sie nicht nur nicht wählbar für viele waren, sondern, dass sie nicht mehr empfehlbar sind.

Eine kleine Erläuterung: im letzten Brand Eins war ein wunderbarer Artikel über den Net Promoter Score (NPS) zu lesen (leider nicht online), eine pseudowissenschaftliche aber immerhin durchdachte Methode zur Operationalisierung der einfachen Frage: “Würden Sie X einem Freund oder Kollegen empfehlen?”, wobei X in der Regel für ein Produkt oder eine Dienstleistung steht.

Auf die Politik angewendet, würde das in vermutlich heißen: “Würden Sie einem Freund oder Kollegen empfehlen Y zu wählen?”, wobei Y hier für eine Partei oder auch Person stehen kann. Und hier orte ich das Grundproblem.

Während es vor gar nicht allzu langer Zeit durchaus noch möglich und sogar üblich war “Wahlempfehlungen” auszusprechen, ist es heute weder sozial erwünscht, noch ruhigen Gewissens möglich. Das gilt in hohem Masse für jene Parteien in Wien, die zu den Verlierern zählen.

Wer empfiehlt schon gerne eine “linke Chaostruppe” die sich herzzerreissend selbst devastiert, obwohl die Spitzenkandidatin ehrlich und professionell kämpft und auftritt?

Wer empfiehlt schon gerne eine orientierungslose Ex-Volkspartei, deren komatöses Wanken zwischen liberal-urbaner Bürgerlichkeit und unwürdiger Law-and-Order Politik nicht einmal die eigene Klientel mehr verstehen kann?

Wer empfiehlt eine dicke alte Dame, in Gestalt eines omnipräsenten Gottseibeiuns, dessen fragwürdige Geiselhaft die Stadt in vielen Bereichen ärmer und nicht lebenswerter macht?

Auch wenn das so wirken mag, so beurteile ich das nicht aus meiner persönlichen Perspektive, ich kann vieles davon gut nachvollziehen, zitiere hier aber eher jene Wählerschaft die normalerweise für komfortable Mehrheiten und sichere Verhältnisse gesorgt hat.

Und Achtung: das Ergebnis der FPÖ alleine mit der “Ausländerfrage” zu erklären, halte ich für den größten Irrtum den es überhaupt gibt. Das ist Humbug. Das hilft lediglich der Vertuschung der eigentlichen Problematik: die SpitzenkandidatInnen sind kaum ein attraktiver Wahlgrund, die Ratlosigkeit / Selbstzerstörung / Sklerose sind offensichtlich und Gegenmittel kaum in Sicht.

Strache empfiehlt man gerne. Da zieht der Spitzenkandidat und das pointierte Programm. Auch wenn das nur in gewissen sozialen Schichten und Milieus geht, ist das der Grund für die Ergebnisse: man kann und will die FPÖ empfehlen, weil es zwar aneckt aber mutig ist. (Auch wenn es wohl mittlerweile genauso mutig gelten kann, die ÖVP zu empfehlen.)

Genug der scharfen Kommentare, man muss einen solchen Beitrag wohl mit ein paar Empfehlungen schliessen, und das ist nun der Teil den ich selbst vor einiger Zeit nicht geglaubt hätte:

Ich empfehle eine Rot-Grüne Regierung. Weil eine SPÖ die über die ÖVP hinwegregiert, keinen Grund hat zur Besinnung zu kommen. Die Grünen könnten die SPÖ ein wenig auf Trab bringen und die Stadt ein bisschen in Bewegung bringen.

Für die Grünen wäre das die echte Herausforderungen Strukturen zu entwickeln die tragfähig (man möchte fast das Unwort “staatstragend” verwenden) sind und mehr als nur eine Legislaturperiode überdauern. Obwohl ich mich wirklich frage ob man diese Grünen echt mit einer Regierungsbeteiligung belohnen sollte. Vermutlich wirkt da meine Überzeugung, dass Maria Vassilakou eine kompetente und phantasievolle Politikerin ist stärker als mein Groll.

Der ÖVP Wien wünsche ich aus ganzem Herzen eine ernsthafte Krise. So stiefmütterlich wie mit der Hauptstadt in den letzten Jahrzehnten umgegangen wurde, ist das Wahlergebnis weder Hahn noch Marek zuzuschreiben, sondern ein Resultat der Schluderei seit Görg. Ich kann es einfach nicht glauben und fast nicht ertragen, dass in Wien nur 13 Prozent ein grundsätzlich vernünftiges bürgerlich-christlich-soziales Weltbild vertreten. Dass der bereits erwähnte Schleuderkurs zwischen Liberalität und Fekterismus dieses erodieren ließ ist auch offensichtlich. Vielleicht ist es wirklich an der Zeit eine alte Busek Forderung umzusetzen: Neugründung. Weil so kann’s nicht weitergehen.

Edit: und nein, ich glaube nicht, dass die FPÖ in eine Regierung sollte, ich glaube nicht, dass die FPÖ sonst bei der nächsten Wahl übermächtig wird.

14. December 2009

What would you do if you where Nokia?

Interesting question posed by Michael Platzer, who I admire for being one of the sharpest minds I’ve ever met and envy for now working as data analyst for Nokia (damn, that must be interesting, challenging and fun, but afterall there are so many interesting, challenging and fun things to do on earth).

After I read the question yesterday, I had to come up with my answers, which are different from Michael’s take:

  1. Accept that you can only loose and act accordingly. I think Nokia has the same issue as all big players in a market, after a certain point you can only loose, because others will be more agile, more flexible and bolder, because there is nothing to loose for them. Once companies accept that fact and act accordingly, things get easier again.
  2. Get back on track and try to (once again) find the dominant design for the future mobile device (or OS). Nokia got big because it defined the way mobile phones looked, felt and what featureset they should have. Nokia defined the first generation of the mobile phone, although they didn’t invent it, all others mimicked its exterior and interaction design. Now the dominant design of this generation is the iPhone. All other phones start to look like an iPhone, so it seems Nokia is not defining the next step, but rather following the path. That’s bad, for some years all users thought they’d rather stick with Nokia because they know how the phone works, that’s gone.
  3. I agree that Nokia needs to be more agile as an organisation. However I doubt that this is something that you can enact. Organisations are like people, they grow and mature, they sometimes rethink and refocus their goals and aims, but they have a memory. Thus I guess this won’t really work.
  4. Remember your core competency and use it. Every company has a body of skills that creates its competitive advantage in a broader sense, on a longer perspective. Nokia has a great history to adapt and identify future technology areas. I’d use that. Why not think about individual space travel, green technology or payment services.
  5. No Services. Nokia has a bad history of doing own services. I’d probably not even integrate Third Party services (Google, etc.), openness will be the key.

28. November 2009

Studentenproteste und die Medien

Max Kossatz und Gerald Bäck haben sich an eine Analyse der Twitter Aktivität zu den Studentenprotesten gemacht, mit wirklich beeindruckenden Ergebnissen.

Weil mich Niko Alm letzte Woche bat und weil ich gerade von den Ergebnissen von Max und Gerald beeindruckt war, will ich hier die Ergebnisse unserer Auswertung von klassischen Medien (Holzmedien, wie sie Gerald nennt) zusammenfassen:

  • Im Zeitraum von 23.10. bis 28.11. zählten wir ca. 2700 Artikel in Medien, davon ca. 1200 in Österreichischen Medien, 1300 in Deutschland und ca. 200 in der Schweiz.
  • Während bei den Tweets der Peak am 4.11. ist, zeigt der Medienverlauf die Höhepunkte eher zu Beginn (26. – 28.10.), am 11./12.11. als die Proteste nach Deutschland (München, Berlin) überschwappen und am 24.11. als Margret Wintermantel sich in Deutschland bei einer HRK Tagung die Proteste kritisiert und das per Presseaussendung in dutzenden Medien landet.

Fazit: die reine Menge der Meldungen in “klassischen” Medien ist deutlich geringer als die Anzahl der Tweets in der gleichen Zeit (ca. 1:25), was die Reichweite anlangt ist eine genau Aussage schwierig (mich würde auch bei Gerald die genaue Berechnung interessieren, das geht aus dem Post nicht so recht hervor). Zeitlich sind klassische Medien und Twitter entkoppelt. Während auf Twitter eine recht stetige Entwicklung herrscht, sind Medien durch ihre Redaktionszyklen und inhaltliche Programmierung deutlich zyklischer. Es lassen sich ganz grob 4 Zyklen beobachten:

  1. Zyklus 1 zu Beginn: “Proteste finden statt”
  2. Zyklus 2 nach ca. 7 Tagen: “Finden noch immer statt”
  3. Zyklus 3 nach weiteren 7 Tagen: “Weitet sich aus”
  4. Zyklus 4 nach nochmal 7 Tagen: “Jetzt reichts dann aber langsam”

In der geographischen Analyse kommen die Hauptstädte wesentlich stärker zu tragen, weil über die Hauptstädte verstärkt berichtet wird, weil dort auch viele Medien ansässig sind, oder Formulierungen die Hauptstädte enthalten (“Regierung in Berlin”).

Die Berichterstattung über Bildung, also der veröffentlichte Diskurs, war in der Zeit davor deutlich schwächer als im letzten Monat. Die Themen sind dabei, neben den Protesten, durchaus konstruktiv. “Bildung”, “Forderungen”, “Studiengebühren” und “Zugangsbeschränkungen” sind häufige Begriffe. Zu Wort kommen natürlich Experten und Forscher die das Phänomen erklären sollen, genannt werden klarerweise einzelne Minister oder gleich die “Regierung”. Das “Plenum” ist natürlich auch oft Thema.

Hinweis: Alle Auswertungen wurden mit System One Radar gemacht und können nur ein Annäherung darstellen. Wir verarbeiten täglich ca. 300.000 Artikel aus Medien weltweit und analysieren diese mit semantischen Technologien.

15. November 2009

Ein Experiment in Sachen Demokratie

Heute fand ein langer Prozess seinen vorläufigen Höhepunkt, einen spannenden, interessanten Höhepunkt. Der Prozess der Grünen Vorwahlen, vor mehr als einem halben Jahr begonnen, der Höhepunkt die Landesversammlung auf der die Zusammensetzung der Landesliste der Wiener Grünen gewählt wurde.

Ich bin vor dem Sommer als Unterstützer der Wiener Grünen aufgenommen worden, eine sehr niederschwellige Form der politischen Partizipation, die mich nicht gleich zu einem Parteimitglied macht mir aber dennoch das Recht einräumt mitzubestimmen. Und weil ich das Recht nutzen wollte, bin ich heute Vormittag ins Austria Center um dort die Landesversammlung zu erleben.

Es war ein spannender Tag, von der ersten Minute bis zur letzten (die ich erlebte), ein politischer Tag, mit vielen Inhalten, vielen Personen, vielen Sichtweisen und einigen (kleinen) Dramen. Meine Beobachtungen:

  • Politik ist und bleibt spannend.
  • Es ist mehr denn je wichtig aktiv an einem politischen System mitzuarbeiten das zukunftsfähig ist und den aktuellen Zustand ablöst.
  • Ich habe mir alle Reden angehört, habe den Raum kaum verlassen, jede Rede war spannend, interessant und verfolgenswert, auch wenn manche naturgemäß besser waren als andere.
  • Unter den 63 KandidatInnen waren sicher 40 ungemein spannende Persönlichkeiten, nicht immer für den Gemeinderat, die Grünen oder ein politisches Amt gemacht, aber immer spannend. Und motiviert.
  • Die Grünen haben die richtigen Themen. Manchmal sind sie etwas kleinlich und nervig, aber grundsätzlich sind die Themen richtig.
  • Der Modus der Landesversammlung mit seiner offenen, transparenten Art und die dadurch ausgelöste Berichterstattung (Twitter, etc.) haben einen demokratischen Prozess auf kommunalpolitischer Ebene extrem aufgewertet.
  • Die Grünen Vorwahlen haben leider nicht das gewünschte Ergebnis erbracht. Es wurden mehrere KandidatInnen (Fanny Rasul, Armin Soyka, Alexander Spritzendorfer,…) an unwählbarer Stelle gereiht, die durchaus ein Zeichen der Auffrischung und Erneuerung hätten sein können. Diese Veränderung war Ziel der GVW, viel davon ist leider nicht zu sehen. Das ist sehr schade.

Dennoch: es war gut den Weg zu gehen und ich glaube er ist noch nicht zu Ende. Partizipative Prozesse wie dieser sind Teil der Zukunft der Politik, das steht fest.

23. July 2009

Oase

one day…

[via (nothing but) flowers]

18. June 2009

Die Grünen Vorwahlen leben!

Quer durch die österreichische Blogosphäre wird derzeit die Ablehnung bzw. Nachfrage der Grünen bei einigen VorwählerInnen diskutiert (Beispiele: 1 2 3 4). Es ist kein Geheimnis, dass manche der Ansicht sind, das Projekt Grüne Vorwahlen ist damit als gescheitert zu betrachten. Ich sehe das etwas anders:

  1. Das Experiment ist keineswegs gescheitert, sondern muss jetzt erst wirklich weiter gehen. So leid es mir tut, dass viele nicht aufgenommen werden, ging es doch immer darum diese Hürde zu nehmen und mit einer soliden Menge Menschen einen Vorwahlkampf zu organisieren der sich gewaschen hat um dann am 15.11. zu zeigen was die ach so träge, uninteressierte, politikverdrossene “Basis” leisten kann. Und zwar ganz bewusst positiv, da es bei den Grünen Vorwahlen um mehr als die Listenplätze geht.
  2. Ich glaube nicht, dass es sich lohnt für einzelne um ihren Unterstützerstatus zu kämpfen, weil das ein Scheingefecht ist. Die Sammlung von Unterstützern war immer nur ein Schritt um die Vorwahlen legitimieren zu können.
  3. Ich bin der Auffassung, dass jetzt aufgeben, all jenen bei den Grünen in die Hand spielt, die immer der Ansicht waren, dass es nur um Macht ging und jetzt wo der Machtwechsel nicht mehr so leicht erreichbar ist, geben die GVW auf. Wir sollten zeigen, dass auch die die angenommen wurden einen spannenden Diskurs mit der Partei aufbauen können der nicht auf Macht aufbaut, sondern inhaltlich geführt wird und eine Bereicherung für die Grünen ist.
  4. Wer sagt denn, dass all jene die nicht aufgenommen wurden nicht im Vorwahlprozess genauso mitmachen können? Mir wäre sogar recht wenn auch andere Grüne mitmachen, die nicht explizit von den GVW sind. Wir wollten ja den Modus ändern, die Basis verbreiten, Transparenz schaffen, warum sollen wir uns durch Ablehnungen davon abhalten lassen?

Ich glaube es ist wichtig, dass nicht alle Beteiligten sich darauf fixieren das Statut verwirklicht zu sehen um alle Vorwähler “durchzuboxen”, dass das eigentliche Ziel (Offenheit, Bürgerbeteiligung über das Web, aktive Gestaltung) verlustig geht.

Daher mein Wunsch: bitte lasst uns nicht das spannendste politische Projekt der letzten 20 Jahre in der Angst einer Partei vor ihren Wählern verlieren. Das wäre schade um die hervorragende Ausgangsbasis die geschaffen wurde. Wer Nachfragen bekommen hat sollte einfach einen Satz zurückschreiben der Klarheit schafft, es tut mir sehr leid um jede/n die/der nicht aufgenommen wurde, aber wie schon gesagt, der spannendste Teil dieses Projektes kommt erst noch!

30. May 2009

The European Way of starting companies

A few days ago I read a status update of Paul “Enki” Böhm on Facebook, saying “Paul Böhm just wrote an article about the european way to start companies: http://bit.ly/17SpzX” leading to an article on his blog titled Waterfall: The European Way of Starting Companies.

When reading it I immediately thought (knowing Paul) that he definitely aims at provoking thought and discussion, but at the same time I thought “Bullshit”.

He basically states that the European Way of starting companies is either to be put into business by the government and the predominant model is some sort of waterfall model, where changing your goals on a later stage is just not an option.

Let me make some remarks:

  1. I don’t think that there is a “European Way” of anything, due to the huge cultural differences that apply. If you like to use that expression to differentiate from an “American Way”, I’m not even sure if that exists.
  2. Pauls post doesn’t make it clear if he thinks that the governmental influence is only true for “big” companies, or in general. The examples he mentions (OMV, Volkswagen, Post and Telekom) are naturally (or historically) formed and controlled by governments, because in most cases they form some kind of monopoly, build their business on natural ressources that belong to the people of a state and thus have to be controlled by its government or they have simply been some form of economic stimulus used by governments to achieve certain goals (Volkswagen), where Entrepreneurs were very happy to have support by the government (remember that VW was an entrepreneurial venture).
  3. It is true, that companies in Europe have always had much bigger support by governmental initiatives than in many other countries, the number and extent of grants available regularly blows away people from other countries. We could debate the real use and effects of that system, but that doesn’t in turn mean that big companies are “willed into existence”.
  4. Paul also states, that those projects form some sort of network of actors, who then get their peers in other projects funded by grants, thus creating some sort of circle that only cares if you have been around and know enough people. That pretty much describes the US venture culture to me, if you’ve been successful once (meaning you cut a good deal) you’ll most probably get financed the next time and the network of the person financing you, will get you a good exit. Many companies and projects I follow don’t create (business) value (they are cool services but don’t generate a lot of money), but still their founders continue and do the next thing without a plan how to create revenue.

Their are enough examples of startups in Europe that took a different route. Started off with something insane or strange, changed their model a couple of times, and succeeded. Who thought that Red Bull, Inode or 3United would work? No one financed them, no one willed them into existence. And that’s just Austria. All around Europe entrepreneurs built something meaningful, with entrepreneurial spirit.

And although I respect and cherish hacker culture it is not the case that hacker culture is entrepreneurial culture in its essence. Many entrepreneurs succeed because they are persistend and try to achieve something no matter what it takes. I heard about the guy that runs the Sydney Harbour Bridge Walking tours. He tried for 8 years to get the city of Sydney to approve his idea and solved every problem that came up. He didn’t try, fail fast and tried something else. He tried, failed, tried again and again until he succeeded. He believed that he could control what was coming up.

To be precise I think that there are some commonalities between hackers and entrepreneurs, but to say that hacker culture is entrepreneurial culture in its essence, just seems wrong.

Although I completely agree with Paul, that it is necessary to give everyone and everything a try, and that we need to integrate that mindset more strongly into our culture, the analysis that led to that conclusion is just wrong in so many things. But Paul, I’d be happy to read the next try. ;-)

20. April 2009

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