Studentenproteste und die Medien
Max Kossatz und Gerald Bäck haben sich an eine Analyse der Twitter Aktivität zu den Studentenprotesten gemacht, mit wirklich beeindruckenden Ergebnissen.
Weil mich Niko Alm letzte Woche bat und weil ich gerade von den Ergebnissen von Max und Gerald beeindruckt war, will ich hier die Ergebnisse unserer Auswertung von klassischen Medien (Holzmedien, wie sie Gerald nennt) zusammenfassen:
- Im Zeitraum von 23.10. bis 28.11. zählten wir ca. 2700 Artikel in Medien, davon ca. 1200 in Österreichischen Medien, 1300 in Deutschland und ca. 200 in der Schweiz.
- Während bei den Tweets der Peak am 4.11. ist, zeigt der Medienverlauf die Höhepunkte eher zu Beginn (26. – 28.10.), am 11./12.11. als die Proteste nach Deutschland (München, Berlin) überschwappen und am 24.11. als Margret Wintermantel sich in Deutschland bei einer HRK Tagung die Proteste kritisiert und das per Presseaussendung in dutzenden Medien landet.
Fazit: die reine Menge der Meldungen in “klassischen” Medien ist deutlich geringer als die Anzahl der Tweets in der gleichen Zeit (ca. 1:25), was die Reichweite anlangt ist eine genau Aussage schwierig (mich würde auch bei Gerald die genaue Berechnung interessieren, das geht aus dem Post nicht so recht hervor). Zeitlich sind klassische Medien und Twitter entkoppelt. Während auf Twitter eine recht stetige Entwicklung herrscht, sind Medien durch ihre Redaktionszyklen und inhaltliche Programmierung deutlich zyklischer. Es lassen sich ganz grob 4 Zyklen beobachten:
- Zyklus 1 zu Beginn: “Proteste finden statt”
- Zyklus 2 nach ca. 7 Tagen: “Finden noch immer statt”
- Zyklus 3 nach weiteren 7 Tagen: “Weitet sich aus”
- Zyklus 4 nach nochmal 7 Tagen: “Jetzt reichts dann aber langsam”
In der geographischen Analyse kommen die Hauptstädte wesentlich stärker zu tragen, weil über die Hauptstädte verstärkt berichtet wird, weil dort auch viele Medien ansässig sind, oder Formulierungen die Hauptstädte enthalten (“Regierung in Berlin”).
Die Berichterstattung über Bildung, also der veröffentlichte Diskurs, war in der Zeit davor deutlich schwächer als im letzten Monat. Die Themen sind dabei, neben den Protesten, durchaus konstruktiv. “Bildung”, “Forderungen”, “Studiengebühren” und “Zugangsbeschränkungen” sind häufige Begriffe. Zu Wort kommen natürlich Experten und Forscher die das Phänomen erklären sollen, genannt werden klarerweise einzelne Minister oder gleich die “Regierung”. Das “Plenum” ist natürlich auch oft Thema.
- Geografische Verteilung der Artikel von 23.10. – 28.11. zu Studentenprotesten
- Verwandte Begriffe in der Berichterstattung vom 23.10. – 28.11. zu Studentenprotesten
- Nennungen für “unibrennt”, “tubrennt”, “Studentenproteste” von 23.10. – 28.11.
- Nennungen für “Universitäten” und “Bildung” von 15.9. – 28.11.
Hinweis: Alle Auswertungen wurden mit System One Radar gemacht und können nur ein Annäherung darstellen. Wir verarbeiten täglich ca. 300.000 Artikel aus Medien weltweit und analysieren diese mit semantischen Technologien.





Ich traue mich ja garnicht recht die Analyse zu bekritteln, aber mit den Zyklen kann ich mich überhaupt nicht anfreunden, besonders was Zyklus 4 angeht. Die offline Medien sind einerseits nicht komplett gesinnungsfrei andererseits unterliegen sie einer gewissen Publikationsschuld dem Konsumenten gegenüber (diese wurde ja im Zyklus 0.5 versucht zu übergehen, als keine Berichterstattung erfolgte oder nur Hahn dazu kommentieren durfte).
Blogger/Twitterati (kann man in Ö Twitterant sagen?) unterliegen zweitem schonmal garnicht, außer irgendwelche unauthentischen Adabei-blogger. Folglich bloggen/twittern negativ gesinnte nach einsetzen des Desinteresses schon nicht mehr, zu dem Zeitpunkt fängt dann der Bias der Printmedien an… wie homogen kann man Zyklus 4 also dann wirklich so stehen lasen?
Der Peak in Abb 4 ist am 17., oder? Da waren die großen Uniproteste v.a. in .de. (hätte mir da auch mehr Resonanz in Abb 3 erwartet)
Danke für die Auswertung! Wahnsinn!
Comment by fatmike182 — 1. December 2009 @ 00:23