Datteln

Wenn ich an meine Großmutter denke, dann erinnere ich mehr an Gerüche als an Bilder oder Situationen. Ich erinnere mich an eine alte Frau, mit einer abgetragenen Weste und einer einfachen Hose, die die meiste Zeit ihres Lebensabends auf der “Bettbank” verbrachte. Damals als noch keiner “ausziehbares Sofa” und “Tomaten” sagte.

Sie aß gerne Datteln und Olmützer Quargel mit Butterbrot. Es war ihr wichtig die Samen der Paradeiser am 15. März auszustreuen, am 15. April zu pikieren und am 15. Mai (nach den Eismännern) in den Garten zu setzen.

Sie liebte es Staniolpapier mit der Rückseite der Fingernägel glatt zu streichen, ich liebte es wenn sie mit mir (gefühlte) Stunden lang Hoppa-Hoppa Reiter spielte. Wir liebten es die Suppe zu essen wenn meine Mutter in der Küche war und dann zu sagen “Wir haben keine Suppe bekommen” wenn sie wieder zurück kam.

Meine Großmutter roch wie eine Großmutter riecht.

Sie sagte immer “Nur ein Trottel lacht dauernd” und “Wenn man dir gibt dann nimm, wenn man dir nimmt dann schrei”.

Hätte ich meine Großmutter besser gekannt hätte ich vermutlich eine andere Erinnerung an sie. Aber so wirkt sie auf mich wie ein großer, wohliger weicher Bausch der riecht wie eine Großmutter riecht.

Michael, du kennst deine Großmutter sehr gut > genieße diese Erinnerungen! Sie werden dich noch oft in deinem Leben “zurück” bringen!
Und – jede Zeit hat ihre “Gerüche” > wir haben nur verlernt, diese wahr zu nehmen! > Offensichtlich sind wir doch zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt/abgelenkt > ;-)

Comment by HM — 19. April 2008 @ 15:54

erinnert mich sehr an meine großmutter…besonders was die paradeiser und die bettbank angeht.

der spruch “wenn man dir gibt…” dürfte in der generation weit verbreitet gewesen sein…war auch meiner großmutter nicht unbekannt :)

Comment by Chris — 20. April 2008 @ 15:39

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